Zach: Ultra Trail Schwarzach

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(Für Nicht-Tiroler: Zach [za:x]– es zieht sich; zäh, sehr fordernd)

Die Ultra Trail Saison 2016 hat begonnen! Dieses Wochenende bin ich beim Schwarzach Ultra Trail im Salzburger Pongau. Es stehen 47km und 2800HM auf dem Programm.

Lisa begleitet mich zum Rennen nach Schwarzach. Sie war jetzt schon bei ein paar Rennen als Zuschauer dabei und beim Innsbrucker Trailrunning Festival ist sie die 25km Strecke gelaufen. Ich glaube schön langsam kommt auch sie in das Rennfieber. Mit dem Lauffieber habe ich sie ja schon vorher angesteckt 🙂

Zurück nach Schwarzach. Der Organisator Fredl Zitzenbacher organisiert jedes Jahr eine sehr persönliche Laufveranstaltung. Die Teilnehmeranzahl ist auf 150 Starter begrenzt. Dementsprechend war im Jänner das Rennen auch schon ausgebucht. Wahnsinn. Trailrunning boomt anscheinend wirklich! Das Salomon Österreich Team hat sich angekündigt und in dessen Sog waren auch andere starke Trail Läufer am Start. Florian Grasel, Markus Reich, Gerald Fister, Thomas Bosniak, Robert Weihs, Andreas Hofer.

Lisa und ich diskutierten während der Fahrt nach Schwarzach wie stark der Einfluß von einem Betreuer auf den Aktiven ist. Ist ein Betreuer wirklich eine so große Unterstützung? Und wie langweilig sind 5-7 Stunden warten für einen Betreuer während des Rennens? Als Aktiver finde ich es extrem fein, wenn ich weiß dass jemand beim Start und im Ziel meine 7 Zwetschken hat und ich mich auf das Rennen konzentrieren kann. Umgekehrt kann aber der Betreuer den Athleten noch nervöser machen und auch vielleicht den Ablauf vor dem Start durcheinanderbringen. Und was kann der Betreuer während des Rennens machen?

Im Vorfeld des Rennens machte Fredl eine Umfrage unter den Top 8 gemeldeten Läufern wer wohl um den Sieg mitlaufen würde. Philip Brugger, Thomas Farbmacher und Ivan Paulmichl kistallisierten sich als Favoriten heraus. Das ist schon ein extrem starkes Feld bei diesem Rennen. Ich freute mich das alles von hinten mitzuverfolgen.

Am Freitag Abend kamen wir in Schwarzach an. Ich holte meine Startnummer ab und dann ging es zur Weinverkostung. Genial! Und das schon am Vorabend! Hier sind auch die Betreuer gut versorgt und können es sich gemütlich machen. Man plaudert mit Bekannten, und gönnt sich ein ein, zwei Glaserln Wein. Danach gingen wir mit Meex zum Carbo Loading. Ein gemütlicher Sommerabend klang so im Garten einer Pizzeria in Schwarzach aus.

Nächster Morgen, 9:05. Das Rennen läuft seit 5 Minuten. Ich habe bereits meinen Rhythmus gefunden und laufe in angenehmen Tempo über die Hügel und Wälder des weitläufigen Beckens um Schwarzach. Man plaudert mit den anderen Läufern (wenn es geht) und alle Helfer und Zuschauer machen eine Bombenstimmung. Hinauf zur ersten Labestation wird man durch ein Spalier von Zuschauern angefeuert. Bei der Labestation holt mich Meex ein. Wir laufen ein Stück zusammen, aber am Berg muss ich ihn dann ziehen lassen.

Jetzt geht es hinauf auf die 4 Gipfel. Wenn ich alleine laufe und Motivation brauche, denke ich an Lisa. Sie ist inzwischen mit dem Mountainbike unterwegs zum Hochglocker, dem letzten Gipfel. Wenn ich dort oben angekommen bin, dann geht es nur noch steil nach unten.  Immer wieder höre ich das Piepsen vom Handy. Ich habe aber keine Zeit zum lesen der Nachrichten (Ist ja doch ein Rennen!), daher stellte ich mir einfach vor was in den Nachrichten von Lisa steht: „Geht schon noch!“, „Zähne zusammenbeisen“, „Gleich hast du es geschafft!“ mit Motivations Icons. Das motiviert mich auf 50km !!!

Die Sonne strahlt im Salzburger Pongau und ich bin inzwischen im letzten Anstieg zum Hochglocker. Neben dem Weg ist ein kleiner Wasserfall unter einer Baumwurzel und ich stelle mich drunter um mich abzukühlen. Die Positionen haben sich eingependelt, ich denke ich bin so auf dem 6.-8. Platz. Zach geht es den Weg hinauf, eine Serpentine nach der anderen. Oben sollte Lisa auf mich warten. Aber wann ist es soweit? Endlich! Ich sehe das Gipfelkreuz, daneben sitzen ein lila Trikot. Neue Kräfte sind da und ich fliege zum Gipfelkreuz hinauf.

Lisa hat alles vorbereitet, aber ich brauche nichts, habe noch Banane, Riegel und Gels. Ich hole mir einen Kuss und bin nach 5 Sekunden schon wieder weg. Verdutzt schaut mir Lisa nach.

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Nur noch wenige Kilometer….Foto: Klaus Spielbüchler

Beim Downhill nach Schwarzach läuft Robert auf mich auf. Wir brettern die Straße und den ausgewaschenen Hohlweg ohne Rücksicht auf Verluste hinunter. Als es flach wird halte ich erst mal das Tempo hoch. Puhhh, lange schaffe ich das nicht mehr. Ich wollte das Tempo gerade reduzieren, da höre ich Robert hinter mir: „Ok, ich seh dich im Ziel“ und fällt etwas ab. Sowas motiviert. Und dann sehe ich auch noch jemanden vor mir laufen. Meex hat sich kurz davor verlaufen und hat keinen Saft mehr. Ich laufe vorbei. Die letzten 2-3km. Mit der Angst im Rücken eingeholt zu werden laufe ich dem Ziel entgegen. Zielbogen. Abklatschen mit Ferdl. Ende. Stopp. Und 5. Platz! Awesome!!!!

Am Ende strahlt die Sonne mit mir um die Wette. 5 Platz in einem hochkarätigen Feld und einer selektiven Strecke.

So sieht die männliche Gesamtwertung aus:

  1. Philip Brugger
  2. Florian Grasel und Thomas Farbmacher
  3. Gerald Fister
  4. Michael Geisler
  5. Robert Weihs
  6. Markus Reich

http://www.schwarzach-ultra.at/ultra_ergebnis_2016_herren.php

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Im Ziel. Gezeichnet von 47km: von rechts: Thomas Farbmacher, Markus Meex Reich und meine Wenigkeit

 

Wolfgangseelauf

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Am 20. Oktober fand die 43. Auflage des Wolfgangseelaufes statt. Es ist inzwischen ein Lauffestival mit 5k, 10k Lauf und der Marathondistanz.

Aber der Klassiker bleibt die 27km Runde um den Wolfgangsee. 2014 waren über diese Distanz 1500 Läufer am Start.

Der Wolfgangseelauf tarnt sich als wunderschöner Panoramalauf um den Wolfgangsee. Es war herrliches Laufwetter, die Berge um St. Wolfgang spiegelten sich im Wasser und ein Wasserskifahrer drehte seine Runden. Gute Stimmung vor dem Start und vom Weißen Rössel neben dem Start glaubt man Peter Alexander singen zu hören 🙂

Der Wolfgangsee

Der Wolfgangsee

Aber gleich nach 3km geht der Spaß los! Es wartet der Falkenstein. Ein 2km Anstieg mit 200 Höhenmeter.

Giftige 200 Höhenmeter

Giftige 200 Höhenmeter

Rauf zum Falkenstein (Foto: Wolfgangseelauf / Horst von Bohlen und Reinhard Hörmandinger)

Rauf zum Falkenstein (Foto: Wolfgangseelauf / Horst von Bohlen und Reinhard Hörmandinger)

Ich ging natürlich auch viel zu schnell an den Berg. Neben mir redete beim hinauflaufen ein Wipptaler die ganze Zeit. Bei mir war nicht mehr als ein schnaufendes “Ja, genau” drinnen. Runter ging es dann mit <3:00min/km. Und dann ist man wieder am Seeufer und glaubt man steht.

Bei Kilometer 6 gibt’s dann den Reset und ein Halbmarathon steht noch bevor. Einen Halbmarathon mit völlig übersäuerten Beinen. Ich brauchte erstmal ein paar Kilometer um mich zu sammeln und wieder Geschwindigkeit aufzunehmen. Aber irgendwie bekam ich keinen Rhytmus rein. Es ging über herrliche Weglein am See entlang. Aber irgendwie ging es immer gaaaanz leicht bergauf. Am Ende glaubte ich der See ist schief!

Im Ziel (1:55:51)

Im Ziel (1:55:51)

Ich war bereits vor 19 Jahren bei diesem Rennen. Auch 1995 waren bereits an die 1300 Starter. Es war damals hinter dem Wien Marathon die zweit größte Laufveranstaltung in Österreich.

  • Meine Zeit 1995: 2:05:04
  • Meine Zeit 2014: 1:55:51

Die Bestzeit von meinem Dad liegt bei 1:53:20. Damals wurde er mit dieser Zeit 170er von 1300 Startern. Ich wurde mit meiner 1:55:51 Zeit dieses Jahr 50er (bei 1500 Finishern). Das sagt doch einiges über die Leistungsdichte von damals und heute aus…

Fazit: Der Wolfgangseelauf ist ein wunderschöner Panoramalauf mit dem gemeinen Falkenstein. Der Berg ist die Würze des Laufs. Und da die Distanz nicht vergleichbar ist MUSS man nächstes Jahr wiederkommen 🙂

Berlin Marathon 2014

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Der Berlin Marathon 2014 ist vorbei. Das Saisonhighlight ist geschlagen.

Welches Rennen kann diese Erlebnis jetzt noch toppen? Mit 40.000 Marathon Läufern durch Berlin laufen.

Am Ende bei einem Erdinger Weißbier auf der Wiese vor dem Reichstag in der Sonne sitzen. In einer Tiroler Runde die letzten Stunden revue passieren lassen.

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Aber von vorne:

Wir reisten bereits am Freitag an um die Stadt Berlin ein bisschen zu erkunden. Merken: Keine gute Idee vor einem Marathon. Am Abend hatte ich extrem müde Füße da ich den ganzen Tag durch die Stadt gegangen bin.

Die Lauf Expo am Flughafen Tempelhof war riesig. Über 5 Hallen stellte jeder aus der mehr oder weniger mit dem Laufen was zu tun hatte. Brooks hatte Scott Jurek eingeladen, einen Amerikanischen Ultraläufer. Scott brachte Trailrunning und Ultraläufe in den Mainstream.

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Den Samstag probierte ich etwas ruhiger anzugehen und ein bisschen entspannen. Ich hatte ein Zimmer über AirBnB gebucht. Shon war mein Gastgeber und hatte eine tolle Wohnung gleich neben dem Alexanderplatz. Shon kommt eigentlich aus Los Angeles und ist Musiker. Vor ein paar Jahren hat es Ihn nach Berlin verschlagen und jetzt macht er in Berlin Musik. Hier kann man mal reinhören . Da man aber sogar in Berlin nicht als Künstler allein überleben kann, ist er unterm Tag Kindergärtner in einer KiTa. Die Diskussionen mit Shon übers Erziehen von Kindern war super! Genau wegen solchen Bekanntschaften und Erlebnissen mag ich AirBnB.

Nach einem schönen Carbo Loading am Hakeschen Markt mit den Tirolern Marlene, Charly, Günter und Christian machte ich meine letzten Vorbereitungen für den Race Day.

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Ich konnte mir nicht vorstellen wie man ein Rennen mit 40.000 Läufern vorm Start abwickeln kann. Um einen Sicherheitspuffer zu haben (und mir etwas die Nervosität zu nehmen) machte ich mir einen Ablauf Plan für Sonntag Morgen.

Dann läutete der Wecker. Ich hatte geschlafen wie ein Baby (Im Vergleich dazu beim Karwendelmarsch: Ich konnte dort fast kein Auge zumachen und kam vielleicht auf 4h Schlaf). In Berlin hatte ich sicher 8h Schlaf.

Ich war bereits sehr früh beim Startbereich.

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Schnell füllte sich der Startbereich und es dauerte nicht mehr lange bis 8:45, der Startzeit.

Ich war endlich entspannt und konnte das Treiben vor dem Start genießen. Und alles funktionierte! Es gab nirgends einen Stau oder was zum anstehen. Auf meinen Rennbeutel warteten bereits 3 Helfer und hängten Ihn auf. Ein riesiges Lob an die Organisation und die Helfer! Alles funktionierte reibungslos. Auch die erhöhten Sicherheitsmaßnahmen (nach Boston) waren durchdacht und minderten nicht den Spaß an der Veranstaltung.

Im Startbereich traf ich dann wieder Günter und Christian. Günter war im Block A und sein Ziel war unter 2:35 zu laufen. Er schaffte es! Auch bei Ihm stimmte fast alles und er erwischte ein Super Rennen.

Christian war bei mir im Block. Wir hatten ungefähr das gleiche Zeit-Ziel. Wir blieben dann auch die ersten 15km lang zusammen. Wir quatschten immer wieder ein bisschen und dadurch verging die Zeit wie im Flug. Die Stimmung an der Strecke, die Bands und die teilweise verrückten Läufer lenkte uns von der Distanz ab. Wir blieben aber konzentriert und liefen die ersten 20km sehr konstant nach Zeitvorgabe.

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Und weiter geht das Speed Sightseeing durch Berlin. Als ich bei Kilometer 29 oder 30 vorbei kam hörte ich aus den Boxen dass Dennis Kimmeta gerade mit der unglaublichen Zeit von 2:02:57 ins Ziel gelaufen ist und den Berlin Marathon in Weltrekordzeit gewonnen hat.

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2:51:49 stand am Ende der 42km bei mir auf der Anzeigetafel. Eine Super Zeit für meinen ersten Marathon (Ich bin vor vielen Jahren mal 2 Marathons gelaufen, aber die gelten nicht wirklich…).

Was kann dieses Rennen noch toppen? Erstmal genießen und diese Zeit wirken lassen. Es ist noch genügend Zeit und auf so einen Marathon kann man aufbauen.

Stramilano Halbmarathon, Mailand

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Letztes Wochenende war der STRAMILANO Halbmarathon in Milan. Der Stramilano besteht aus 3 Rennen

  • 5km Lauf für Kinder, Jugendliche und C25K (Couch to 5km) Einsteiger.
  • Der 10km Lauf: „Run of the 50.000”. 50.000 bei einem 10er!!! Es war Wahnsinn das zu sehen!
  • 21,1km Halbmarathon. Auf einer extrem schnellen Strecke.

Der 10km Lauf ist ein Lauf der Massen. Ich stand bei KM9 und bekam den Mund nicht mehr zu. Die ganze Straße ist voll mit Läufern die sich Richtung Ziel wälzen. Man kommt nicht über die Straße. Man wartet 10 Minuten. Man sucht eine Lücke, aber da ist keine. Beim Überqueren der Straße begibt man sich ins Gewusel, lässt sich mittreiben und einige Meter weiter unten wird man auf der anderen Seite wieder ausgespuckt. Wie ein Fluß der sich durch die Straßen und den Park zieht.

Der Halbmarathon ist anders. Schon bei der Anmeldung muss man einen Verein angeben. 5000-6000 Starter sind beim Halbmarathon. Hier geht es wirklich zur Sache. Die Strecke ist total eben. Gute Kenianer sind auf der Jagd nach Bestzeiten (Siegerzeit 2014: 1:01.39). Die Strecke hat Start und Ziel beim Castello Sforzesco. Im Park Sempione ist ausreichend Platz zum Umziehen, Taschenabgabe, Startaufstellung und Zieleinlauf im Stadion. Die Strecke geht über die Ringstraße um das Zentrum herum. Leider kommt man nicht am Dom vorbei, aber dafür am Porta Romana, Porta Genova und anderen bekannten Straßen.

Da das Wetter gut mitspielte (ca. 10° am Start, während dem Rennen kam die Sonne raus und die Temperatur ist auf 15-17° gestiegen) und ich in einer guten Verfassung war, hatte ich ein Super-Rennen! 2km nach dem Start kam von hinten der 1:30 Pacemaker mit seinem Ballon auf meine Höhe (Das war eigentlich die Zeit die ich erreichen wollte). Ich dachte mir: „Hm…Ich kann ja probieren ein paar Meter Reserve zwischen dem Ballon und mir zu bringen“. Ich zog ein bisschen an und das Tempo war ok für mich.

Am Ende sah ich den Mann mit dem 1:30 Ballon nicht mehr und ich lief bei 1:26.12 ein. Es war ein Traum Rennen! Personal Best!

Stramilano HM