Heimspiel – Ebbser Koasamarsch

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Der Ebbser Koasamarsch ist ein besonderes Rennen für mich.

  • Für mich als Tiroler Unterlandler ist es quasi mein Heimrennen. Im Herz der Alpen sind komischerweise Trailrennen spärlich gesäht.
  • Ich bin Titelverteidiger. 2016 war ich Sieger auf der Marathondistanz.
  • Ich durfte etwas mithelfen den Koasamarsch 2017 zu gestalten und den Veranstaltern vom WSV Ebbs aus Trailrunner Sicht ein paar Tipps geben.

Lena Schindler, Johannes Stimpfle und ich waren mit Jürgen und Andi vom OK Team in regen Kontakt um den Koasamarsch fit für die nächsten 50 Jahre zu machen. Und es war genial zu sehen wie die diskutierten Ideen vom OK Team umgesetzt wurden.

Unser Fokus:

Die Strecke: Der Großteil der Strecke hat Kultpotential. Der Musikantensteig der sich fast senkrecht zur Vorderkaserfelden Alm hinaufwindet. Die Querung der Schotterfelder bis zur Hochalm mit fantastischen Ausblicken und technischen Trails. Der letzte, mit meterhohen Absätzen gespickte Anstieg zum Stripsenjoch. Trailrunnerherz, was willst du mehr? Nur ab Bärenbachalm ging es 10km lang der Forststraße entlang das Kaisertal hinaus. Gemeinsam fanden wir dieses Jahr einen neuen Trail der diese Strecke um ein vielfaches interessanter machte.

Die Läufer: Verschiedene Läufer werden von einem Rennen über verschiedene Schichten angesprochen. Ich versuchte Eliteläufer anzulocken. Benni Bublak sprang sofort an. Der Berliner wohnt in Kufstein und kennt die Trails wie seine Westentasche. Markus Reich war auch sofort dabei. Oberhammer! Nina Koch von Dynafit gefiel das Konzept ebenfalls. Durch meine Kontakte mit Dynafit kamen dann noch kurzfristig einige Dynafit Trailheroes, die dann auch ganz schön abräumten!

Lena fokussierte sich auf die Blogger und Meinungsmacher. Da gab es ja im Einzugsbereich von München einige davon. Mit Hilfe des Tourismusverbandes Kufsteinerland waren dann auch einige Blogger da und es gab einige Interessante Geschichten!!

Wanderer! Die waren dieses Jahr durch das Wetter sehr gut vertreten. Ich rechne es dem OK Team hoch an, hier eine gleichberechtigte Mischung aus Wanderern und Trailrunnern zu bekommen. Und es klappt! Obwohl die Wanderer schon ab 6 Uhr früh starten konnten, waren sie super hilfsbereit wenn ein schneller Trailrunner um die Ecke kam. Der Weg wurde freigemacht, kurz gegrüßt, bedankt und angefeuert.

Wir waren fast ein Jahr lang in den Vorbereitungen involviert. Es ist spannend zu verfolgen wie sich die Anmeldezahlen entwickeln, das Feedback verschiedener Meinungsbildner zu bekommen und mit einer professionellen Marketingagentur zusammenzuarbeiten.

Der Renntag steht vor der Tür und es sieht fantastisch aus! Fast 700 Wanderer und Läufer haben sich bei Koasawetter angemeldet und stehen in den Startlöchern. In den letzten Tagen rotierten Andi und Jürgen fast rund um die Uhr um mit Ihren Helfern alles vorzubereiten.

Von meiner Seite ist es fast eine Familienangelegenheit:

  • Mein Vater läuft den Halbmarathon: Mit seinen 67 Jahren kommt er auf den 10. Gesamtplatz bei fast 100 Startern.
  • Lisa und mein Bruder laufen die 33km. Am Ende motivieren sie sich gegenseitig und ziehen sich so auf den letzten Kilometern ins Ziel
  • Ich laufe wieder den Marathon. Gemeinsam mit Benni Bublak und Markus Reich geht es auf die erste Schleife, bevor es dann den Musikantensteig hinaufgeht. Es läuft bei mir super! Benni gewinnt mit einer Wahnsinnszeit und ich laufe mit Respektabstand als 2. ins Ziel ein.

Nach dem Rennen steigt eine riesige Trailrunning Fete im Zielbereich. Wer vom Laufen keinen Sonnenbrand hatte, bekommt spätestens an den Biertischen einen. Es war einfach nur schön so viele Bekannte, Wanderer und Trailrunner an diesem Sonntag Nachmittag zu sehen, zu quatschen und zum fachsimpeln.

Auch Jürgen und Andreas hatten ein breites Grinsen im Gesicht. Seit 2 Jahren versuchen sie den Ebbser Koasamarsch für Trailrunner interessant zu machen. Es lief an diesem Tag nicht alles perfekt und es gibt noch ein paar Sachen zum optimieren. Aber spätestens 2017 sollte der Ebbser Koasamarsch mit einem starken Ausrufezeichen auf der Landkarte vieler Trailrunner auftauchen, Und für 2018 kann man sich den 17. Juni in Kufstein beim Ebbser Koasamarsch schon mal fett einkringeln.

Bergmarathon Traunsee

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Gmunden, kurz vor 3.00 Uhr Früh. Bunt gekleidete Läufer trudeln mit Ihren Stirnlampen am Hauptplatz ein. Ferngesteuert gehen sie zum Kaffeeausschank, in der Hoffnung das es einen munter macht. Junge Burschen sind am Heimweg vom Ausgehen, recht gut drauf, und kriegen einen Lachflash wenn sie hören dass die bunten Leute jetzt mitten in der Nacht um den Traunsee laufen. 70km. 4500HM.

Lisa begleitet mich heute und wird bei ein paar Verpflegungsstationen auf mich warten. Gemeinsam schauen wir dem Treiben zu und reden mit unseren Freunden, dich auch durch die Nacht laufen wollen.

7 Berge liegen vor mir. Steile, ausgesetzte Anstiege, teilweise mit Seil gesichert und Eisenhaken als einziger Auftrittspunkt. Matschige, rutschige Downhills, gespickt mit Wurzeln und Steinen, die von den vielen Berggehern schon total speckig und rutschig sind. Genau deswegen bin ich hier. Das wahrscheinlich technisch anspruchvollste Trailrennen im deutschprachigen Raum. Mythos Bergmarathon Traunsee.

Grünberg.

Punkt 3.00 Uhr setzt sich die Masse in Bewegung hinauf auf den Grünberg. Die ersten 500HM zum einrollen. Ich kommen in einen schönen Rhythmus und es geht in die dunkle Nacht. Dann der ersten Downhill in der Nacht. Meine Stirnlampe ist zu locker (sonst bekomm ich recht schnell Kopfschmerzen), und kugelt dauernd in mein Gesicht. Obwohl es Nacht und stockdunkel ist geht es die Forststraßen und Trails mit einem 3:50er Schnitt runter.

Traunstein.

Jetzt geht’s ans Eingemachte. 1000HM über den Naturfreundesteig hinauf zum Traunstein Naturfreunde Haus. Hier muss man hellwach sein. Auf allen Vieren und am Seil hinaufziehend geht es über die Steinplatten. Hinauf auf die 5m hohe Leiter und durch die senkrechte Wand mit den Eisenhaken als Trittfläche. Einfach Genial! Inzwischen sind wir zu dritt. Gemeinsam mit Matthias Dippacher und einem Einheimischen geht es hinauf. Kurz vor dem Naturfreundehaus fängt es an zu regnen. Jetzt ist der Downhill auch noch nass. So steil wie es rauf ging, geht es auch wieder runter. 800HM in knappen 2 Kilometer. Dippi und ich legen uns ein paar mal hin, aber Gottseidank ohne gröbere Blessuren. Laut Strava sind wir auf Platz 4 der Bestenliste im Segment Maieralm steig Downhill. Darauf kann man aufbauen 😊

Spitzelstein.

Bei Karbach startet dann ein super feiner Trail zum Spitzelstein (Daxnersteig). Flowig geht es dahin, immer ein paar meter über dem Traunsee. Und dann kommt die Wand. Der Spitzelsteinweg ist eigentlich kein Weg. Er wird nur jedes Jahr für den Bergmarathon hergerichtet. Und es geht quasi senkrecht hinauf. Fast oben am Grat schau ich hinunter: Wie bitte, da soll ich gerade rauf sein? Wo denn? Und der Weg hinauf hört nicht auf. Dippi ist davongezogen und inzwischen weit vor mir. Endlich oben! Kurze Verpflegungspause und auf einem schmierigen Trail hinunter nach Ebensee. Ich möchte nicht wissen wie rutschig der Trail nach 100 Läufern war. Ich surfe mehr hinunter als Laufen. Irgentwie behalte ich immer das Gleichgewicht und kommen nicht dreckverschmiert bei der Halbzeit in Ebensee an. Lisa erwartet mich bereits. Ich wechsle meine Schuhe, um für die nächsten 35km mehr Dämpfung zu haben. Welche Wohltat! Trockene Schuhe!!!

Feuerkogel

Konzentriert und voll motiviert geht es auf den letzten großen Berg. 1000HM sind vor mir bis zum Gipfel des Feuerkogels. Natürlich fängt es oben auf 1500m wieder regnen an. Zach ist der Anstieg. Und Einsam. Seit Stunden habe ich keinen anderen Läufer mehr gesehen. Weder hinter mir noch vor mir. Endlich sehe ich die Hütte der Verpflegungsstation. Die Mannschaft auf der Station ist Lustig und wir scherzen dahin. Jetzt geht’s in den Downhill. Ich liebe Downhills. Speziell am Ende von Rennen. Aber was war das? Ich dachte ich stehe!!! Das war kein Downhill und kein Trail, das war nur noch wild! Ich musste teilweise hinunter gehen!! Der Weg war steinig, nass, mit Absätzen versehen und Wurzeln überdeckt. Und jeden Meter ging es 90° in eine andere Richtung steil hinunter. Ich rutschte, torkelte, flog über Wurzeln, knackste mit dem Fußgelenk an Steinen um. Mittendrin verlor ich das Gleichgewicht und krachte auf eine Felswand. Meine Hand bog es hinten durch. Das Krankenhaus stellte danach einen Kapseleinriss im Gelenk bei 2 Fingern fest. Später befragte ich im Ziel meine Freunde was das wildeste an diesem Rennen war. Einstimmig war es heute der Downhill vom Feuerkogel.

Gmundner Berg

Schön langsam nimmt der Asphalt überhand. Die letzten Berge gehen über die Hügel am Westufer des Traunsees.Laufbar, aber immer den Rhythmus brechend hinauf, hinunter. Aber die Traunseer sind ein Wahnsinn! Die Autos auf den Landstraßen lassen die Fenster hinunter und klatschen einem ermunternd zu, jeder feuert die Läufer an. Hier sieht man welchen Kultstatus der Bergmarathon in der Region genießt.

Endlich ist der letzte Berg geschafft. Gerade geht es hinunter Richtung Gmunden. Die letzten 2 Kilometer auf der Esplanade am Seeufer durch die Anfeuerungsrufe der Zuschauer.

Ich komme als Gesamt 4. des Bergmarathon Traunsee 2017 ins Ziel. Die 70km und 4500HM schaffe ich in 8h 13min.

Der Bergmarathon Traunsee ist schwierig, hat gefährliche Trails und wilde Downhills. Genau was ich mag! Ich wurde nicht enttäuscht. Harald und sein Team sind auf dem besten Weg den Bergmarathon Traunsee nicht nur für Einheimische interessant zu halten sondern auch für alle auswärtigen Trailläufer ein spannendes Abenteuer bereit zu halten.

Großglockner Ultratrail 110km

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110km. 6500HM. Mein erster Hunderter.

Ich stehe in Kaprun bei der Athletenvorstellung auf der Bühne und der Moderator fragt mich wie ich mich auf meinen ersten Hunderter Ultra vorbereitet habe. Kurzes Schweigen. Mir fällt nichts ein. Ich stammle was, bis Gottseidank gleich der nächste dran ist.

Die Frage aber beschäftigt mich noch den ganzen Abend. Sind 110km was ganz was anderes was ich bisher gelaufen bin? Bin ich der Distanz gewachsen? Und den Höhenmetern? Ich bin sicher mehr als das doppelte vom Traunsee Rennen unterwegs. Und das waren 8 Stunden. Laut Veranstalter bin ich im erweiterten Favoritenkreis. Deswegen stehe ich hier jetzt vor allen Leuten.

Was mache ich hier eigentlich???

Rückblende, 2 Tage vor dem Start vom Großglockner Ultra. Ich mache meine ganze Umgebung verrückt dass am Wochenende endlich mein erster 100er ist! Dynafit bringt auf der Homepage ein Interview mit mir. Ich futtere Kohlenhydrate bis zum umfallen. Mein Betreuerteam, bestehend aus meiner Freundin Lisa und meinem Dad hab ich gebrieft. Sie kennen die Roadmap. Sie wissen wann und wo sie mich treffen, wie die Marschtabelle ist, was ich brauche.

Ich rede mir ein dass man einen 100er nicht trainieren kann. Ab 50km spielt sich alles im Kopf ab. Mentale Stärke ist gefragt.

Ich bin Teile der Strecke mit Klaus Gösweiner, Toni Pilz und Markus Reich bereits abgelaufen. Und Kals bis Rudolfhütte kenn ich noch von 2015.

What can possibly go wrong????

Kaprun. Um 23.00 löst sich mal die erste Anspannung. Endlich Start! Ich finde bald meinen Rhythmus, lasse mich nicht hetzen. Der erste Downhill ist eine Befreiung, die Forststraßen super um das eigene Tempo zu finden. Der Trail hinunter nach Fusch ist ein Wahnsinn! In der Dunkelheit die Wiesen runterballern und im zick-zack durch die Wälder, nur die Stirnlampen zeigen die nächsten Meter. Wow!!!

In den Top 10 komme ich mit Thomas Bosnjak nach Ferleiten. Ich sage Lisa nur schnell wie gut ich mich fühle und bin gleich wieder weg. 10 Minuten vor dem Zeitplan. Alles wie geplant…

Rein ins Käfertal Richtung Pfandlscharte. 1500HM in einem Zug. Es läuft. Hier wird wieder ein Tscheche überholt, Stecken runter und raufmarschiert. Der Ausblick ist fantastisch. Immer länger wird das Band an Lichtern die ins Käfertal hereinkommen.

Aufstieg zur Pfandlscharte. Foto: Frühmann

Aufstieg zur Pfandlscharte. Foto: Frühmann

Inzwischen merke ich wie mein Magen sich immer komischer anfühlt. Bald kann ich nichts mehr trinken. Auf Gels habe ich auch keinen Appetit mehr. Und mein Magen rumort so komisch. Noch 700HM zur Pfandlscharte.

Mein Kopf bekommt Panik. Warum kann ich nichts mehr essen? Ich mus was trinken!! Noch 300HM zur Pfandlscharte. Das Schneefeld bricht meinen Willen. Ganz oben seh ich ein Licht das nicht näherkommt. Dazwischen ein steiles Schneefeld, bei dem ich auf jedem zweiten Schritt ausrutsche. Gemeinsam mit einem Tschechen suchen wir den besten Weg hinauf.

Endlich! Auf der Pfandlscharte angekommen. Der Wind bläst sehr stark auf der Scharte, Ich ziehe mir meine Gore Tex Jacke über, es ist dunkel, 4 Uhr früh und ich raste kurz um ein Gel einzuwerfen. Ich schau mir die Geschmacksrichtung im Schein der Stirnlampe an und muss mich sofort übergeben. Ich stehe also mitten in der Nacht auf 2700m bei 80km/h Wind und kotze mir die Seele aus dem Leib.

Runter geht’s. Endlich komme ich beim Glocknerhaus an. Ich möchte nur eine heiße Suppe, bin ziemlich fertig. Lisa tauscht meine Softflasks aus. Wieder das Zeug dass ich nicht runterkriege. Beim weglaufen verliere ich noch die Banane für den nächsten Uphill.

Beim nächsten Anstieg wie erwartet: Ich bin leer. Ich kann das süsse Zeugs aus der Softflask nicht trinken; wenn ich nur an Gels denke wird mir schlecht und Riegel geht auch nicht. Wo ist mein Plan B? Soweit hab ich nicht gedacht…

Die nächsten Stunden werden zur Tortur. Bergauf langsames gehen und stehenbleiben. Flach langsamer Trab. Hinunter langsamer Trab. Später erklärt mir Meex was zu der Zeit in meinem Körper abgelaufen ist. Mein Magen ist es gewohnt in der Nacht zu arbeiten. Heute war ich auf den Beinen, das Blut fehlte im Magen. Nochdazu war es eine recht warme Nacht, da tut sich der Magen nochmal schwerer. Magen rebelliert, verweigert den Dienst.

Am Lucknerhaus warten Lisa und mein Dad wieder. Ich steige aus. Mein Körper hat während der letzten 4 Stunden Belastung die Nahrungsaufnahme verweigert. Ich bin sowas von leer. Nach 50km und 4000HM. Der Großglockner Ultratrail ist ein Monster.

Wir fahren zurück nach Kaprun. Klaus Gösweiner und Gerald Fister gewinnen wieder den Großglockner Ultra in einer extrem starken Vorstellung.

Ich muss erst mal schauen ob ich wieder so schnell bereit für einen 100er bin. Es gibt ja auch schöne und anspruchsvolle Strecken um 50km.

PS: Ich habe viele ermunternde Posts bekommen dass ich es nächstes Jahr wieder versuchen kann. Ehrlich gesagt reizt mich derzeit die 60km von Kaprun nach Kals mehr als die ganze Runde. Mal schauen, vielleicht steh ich wieder am Start, aber in Kals wartet der 2. Mann für die Staffel

Trail WM Badia Pradaglia, Toskana, Italien

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Zum ersten Mal machen die Verbände IAU und ITRA eine Trailrunning WM auf der 50km Distanz.

Die WM wird im Rahmen des Sacred Forest Trail ausgetragen. Neben der WM gibt es noch ein offenes Rennen über 80/50/25/13km.

Tja, und ich bin mit dem Team Österreich in der Toskana und laufe die WM. #Bäääm!!!!

So richtig mit Nationaltrikot, Flaggenparade und Mannschaftsunterkunft.

T-4, Dienstag: Desaster strikes….

Noch 4 Tage bis zur WM. Magen Darm Infekt. Totalentleerung. 3kg Körpergewicht in der Nacht über Vorder- und Hinterausgang verloren. Ich spare mir lieber die Details…

Am Morgen kann ich mich mit Schonkost noch anfreunden, aber dann siegt mein Stress, dem Körper wieder nahrhafte Kost zuzuführen. Mein Magen hat damit keine Freude und rebelliert. Mein Magen gewinnt und um 19.00 sitze ich in der Klinik am Tropf und kriege wenigstens intravenös noch ein paar Kalorien.

T-3, Mittwoch:

Ich bin brav. Aber nach dem 3. Haferbrei kann ich den nicht mehr sehen. Oder schmecken.

T-2, Donnerstag:

Abfahrt in die Toskana: Ein Weißbrot Panini zu Mittag auf der Autobahnraststätte und ein paar Bananen. Die Nudelsuppe mit Bohnen aus der Klosterküche unserer Teamunterkunft mag der mein Magen aber nicht und rebelliert wieder mal. Auch beim lockeren Laufen dreht sich mein Magen wie eine Waschmaschine und gibt komische Laute von sich.

Inzwischen bin ich am verzweifeln. Ich bin verletzungsfrei, habe eine super Form und darf für Österreich bei der WM starten. Diese Möglichkeit habe ich auf meiner Lieblingsdistanz wahrscheinlich nur einmal!

Vom Teamarzt bekomme ich jetzt Medikamente um den Magen zu beruhigen. Die helfen Gottseidank. Aber nach dieser Woche quasi ohne Essen sind meine Energiespeicher fast bei null.

 

T-1, Freitag: Last Chance

Carboloading, so gut es geht.

Die Eröffnungsfeier mit Flaggenparade findet in Poppi, einer kleinen Stadt in der Toskana statt. Bei der Pasta Party geht es locker zu. Man kennt schon ein paar Athleten, Smalltalk, und schaut so was bei den anderen teilnehmenden Ländern so los ist.

Es sind insgesamt 39 Nationen vertreten. Exoten wie Costa Rica oder Sierra Leone sind dabei. Und natürlich die Favoriten aus Spanien und Frankreich. In unserer Kloster Unterkunft sind noch Deutschland, USA, England, Argentinien und Litauen.

T-0, Raceday:

Ich steh am Start, eher hinten. Meine Erwartung: Locker angehen, mal schauen was geht.

Start: Es geht sofort in den ersten Anstieg, ich rolle erst mal das Damenfeld auf. Es läuft, die Beine sind locker, Magen hält sich an die Abmachung und gibt auch Ruhe.

Die WM Strecke des Sacred Forest Trail ist wunderschön in einem Nationalpark. Die Trails schlängeln sich die Wege hinauf und ins nächste Tal wieder hinunter, meistens unter einem feinen Blätterdach.

Bei den Downhills gebe ich Gas und zieh runter. Es läuft.

Bei km18 kommt wieder ein giftiger 400HM Anstieg. Oha! Wo ist meine Kraft? Ach ja, im Klo! Ich merke wie es immer schwieriger wird die Beine in einem zügigen Rhythmus zu bewegen. Innerhalb von 2 Stunden hatte ich auch bereits das Bedürfnis schon 4 Gels und 1liter Elektrolyt zu trinken. Hilft aber nix. Vom Kraftwerk Körper kommt nix Richtung Muskeln. Von was auch? Leider Flasche leer….

Ich beende mein Rennen beim Verpflegungspunkt km24. DNF.

Schade. Speziell bei der WM. Nicht in der Wertung. Bitter. Im Ziel sah ich dann den Zieleinlauf von Luis Alberto Hernando, dem Sieger und World Champion. Eigentlich hätte ich auch diesen feierlichen Zieleinlauf haben können (viel, viel weiter hinten natürlich). Eigentlich würde ich auch die Finisher Medaille einer WM haben….

Aber es war Schadensbegrenzung. Ich habe in den nächsten Wochen noch einiges vor und kann mich jetzt wieder diesen Zielen widmen.

 

Danke an Michael Wolf vom ÖLV fürs nominieren. Es war eine Super Erfahrung und ein cooles Team Austria!

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http://www.trailrunning-szene.at/die-oesterreicher-bei-der-wm-in-italien/

 

Puschlav: My perfect Weekend hideaway

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Puschlav. Val Poschiavo. Hinter dem Bernina Pass. In der Schweiz.

Von Innsbruck aus ist man in 3 Stunden in Poschiavo. Ab und zu besuche ich meine Tante dort. Dieses Jahr war ein Alpenvereins Ausflug dorthin geplant. Lisa und ich reisten schon einen Tag früher an um besagte Tante zu besuchen. Am Abend bekamen wir die SMS: Alpenvereinstour abgesagt. Bergführerin hat sich die Kniescheibe zerschossen.

Lisa und sahen uns an. 4 Tage in der Schweiz. Alles 3000er um uns herum. Sonniges Wetter ist angesagt und die Lawinenwarnstufe ist mäßig bis gering. Perfect Weekend!!!

Am Donnerstag kamen wir an. Meine Tante Rosi stand schon in der Tür zur Begrüßung und kochte schon zu Mittag voll auf. Herrliches Wetter, relaxen im Garten. Am Nachmittag rein in die kurze Laufhose und eine Runde um den Lago Poschiavo. Herrlich.

Am Abend gab’s noch mehr Italien Feeling. Von 1000m Seehöhe (Poschiavo) ging es hinunter nach Tirano, Italien (300m Seehöhe). Hier bestätigte sich meine These vom Brenner: Sobald man auch nur 100m in Italien ist schmeckt der Cappucino und Espresso Machiato hundertmal besser als in Österreich oder der Schweiz. Und die Pizza! Und die Pizzocheri!! Kugelrund und mit Grappa abgelöscht fallen wir in unsere Betten.

Freitag morgen steht die erste Skitour an. Ein wolkenloser Himmel begleitet uns auf der Fahrt zum Bernina Pass. Am Diavolezza Parkplatz fallen uns erst mal die Augen raus. Um 8 Uhr sind nur Tiroler Kennzeichen am Parkplatz. Anscheinend wollen da einige auf den Piz Palü (3905m). Neben uns parkt der nächste Tiroler ein. Philipp Brugger und Michael Puelacher von Gecko steigen aus. Auch sie sind auf dem Weg zum Piz Palü. Uns zieht es auf die andere Seite. Lisa und ich werden auf den Piz Minor (3049m) gehen. Zuerst geht es flach das Val da Fain entlang. Ab der Alp la Stretta geht es dann bergauf. Keine Menschenseele. Wir haben das ganze Tal für uns allein. Am Gipfel begegnen wir 3 jungen Schweizer, die bereits wieder abfahren. Wir haben den Gipfel für uns. Herrliche Fernsicht auf das Bernina Massiv. Dort drüben geht gerade die Autobahn auf den Piz Palü rauf.

 

Zu Mittag sind wir wieder zurück bei der Diavolezza Talstation. Es gibt eine kleine Terrasse mit verlockenden Sonnenliegen. Die gehören uns für die nächsten 2 Stunden und wir bruzzeln in der Sonne.

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Talstation Diavolezza Bahn

Wir hatten uns entschieden zum Ziel der abgesagten AV Tour zu gehen. Das Rifugio Saoseo (1990m) liegt im Val de Campo. Um dort hin zu kommen müssen wir erst mal unsere Ausrüstung für 1h15min schultern und taleinwärts marschieren.

Auf der Hütte werden wir noch mit den letzten Sonnenstrahlen belohnt. Bruno, der Hüttenwirt ist genial. Natürlich kennt er meine Tante. Früher war sie mit meinen Cousins öfter im Val de Campo. Bruno schlägt uns auch ein paar Routen für die nächsten Tage vor. Wir einigen uns auf eine Runde mit 1500HM und 20km. Ich bin ja mal gespannt ob ich mich in den Schweizer Bergen zurechtfinde.

22.00 Uhr. Hüttenruhe. Müde fallen wir in unser Bett.

Am Samstag starten wir mit einer Münchner Alpenvereinsgruppe. Sie haben die selbe Route vor: Aufstieg zum Piz val Nera (2991m), Abfahrt ins Val Nera, über das La Valletta hinauf zum Pass da Val Mera (2671m) und wieder hinunter zum Rifugio. Piece of Cake.

Die Schneelage ist dürftig und hinauf zum Piz val Nero braucht es die Harscheisen. Die Navigation klappt erstaunlich gut, auch die Münchner Gruppe geht uns inzwischen nach.

Kurze Pause am Gipfel. Die Pulverschnee Abfahrt auf dem unverspurten Nordhang ist einfach nur genial! Auch hier klappt die Orientierung und wir fellen auf 2200m wieder auf. Langgezogen und flach geht es das einsame Tal einwärts. Der Wind bläst uns entgegen aber wir sind gut ausgerüstet. Meditativ geht voran. Alles weiss. Einfach taleinwärts. Der Wind pfeift. Monoton setzen wir einen Fuß vor dem anderen.

Am Pass da Val Mera setzen wir uns hinter einen Felsen und stärken uns. Die Münchner Gruppe ist inzwischen nicht mehr zu sehen. Wir blicken direkt auf den Piz Ursera, unser eigentliches Ziel der Alpenvereinstour.

Es folgt noch eine steile Firnschnee Abfahrt durch Felsen und über Bäche. Die letzten Kilometer sind aper und wir stapfen glücklich und zufrieden zurück zum Rifugio.

Beim Weissbier vor der Hütte besprechen Lisa und ich den Sonntag. Die Wettervorhersage ist schlecht und der Schnee nicht so toll. Wir entscheiden uns zurück zur Tante Rosi nach Poschiavo zu fahren. Also gleiche Procedure: Ski und Schuhe auf den Rucksack und 1h zurück zum Auto.

Sonntag morgen habe ich beim Frühstück noch die Idee den Gletschergarten bei Cavaglia zu besuchen. Über Almwiesen und Lärchenwälder geht es auf 1700m. Bei Cavaglia haben die Gletscher vor Tausenden Jahren symmetrische Töpfe in den Stein geformt. Einige dieser Töpfe sind 10m tief.

Wir wandern alles allein. Keine Menschenseele weit und breit (ok, wer kommt auch am Sonntag auf die Idee um 8.00Uhr auf 1700m rauf zu wandern.

Ich möchte Lisa unbedingt noch den Blick von Alp Grüm auf den Piz Palü Gletscher zeigen. Diese 400HM vergehen schnell, obwohl sich hier auf 2000m doch schon etwas Schnee breit macht (wir haben den 2. April!). Am Bahnhof von Alp Grüm bietet sich ein unglaublicher Blick auf den Gletscher den Piz Palü.

Mit dem Zug tuckern wir wieder zurück nach Poschiavo. Für den Downhill von 2100m (Alp Grüm) auf 1000m (Poschiavo) braucht die Bernina Bahn 45min. Ich wette ich wäre mit Laufen schneller unten 🙂

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Aus der Küche von Tante Rosi duftet schon das Sonntagsessen, dass wir uns jetzt schon verdient haben.

Was für ein Wochenende! Genug Action und auch das richtige Maß an relaxen, die Sonne und Berge genießen. Bei der Heimfahrt stellen wir uns bereits vor was wir alles anstellen könnten wenn wir eine ganze Woche im Puschlav sein könnten….

Links:

Skitouren und Risiko Assessment: http://www.skitourenguru.ch/

Lawinen Bulletin Schweiz: http://www.slf.ch/

Rifugio Saoseo, Val di Campo: http://www.saoseo.ch/

Skitour Piz Minor: http://www.gipfelbuch.ch/tourenfuehrer/gipfel/id/4464/Piz_Minor

Skitour Piz val Nera: http://www.gipfelbuch.ch/tourenfuehrer/routen/id/3232

 

 

Chamonix 2016: CCC crewing für Meex

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Mein Rennen in Chamonix ist vorbei. Ich kann wieder aufrecht gehen. Wie es mir ergangen ist könnt ihr hier nachlesen.

Heute läuft Meex sein erstes 100km Rennen und zusammen mit Lisa sind wir seine Crew.

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Meex wird ca. 15h unterwegs sein. Damit er sich aufs Laufen konzentrieren kann, betreuen wir ihn. Unsere Hauptaufgaben werden sein:

  • Auf der Strecke anfeuern
  • bei Verpflegungspunkten alles vorbereiten was Meex braucht
  • Backup Sachen dabei haben (T-shirt, Stöcke, Schuhe)

Wir haben erleichterte Bedingungen, da das Wetter super ist und es keine Anzeichen für Regen gibt.

Der Plan ist also folgender: Wir bringen Meex zum Start nach Courmayeur.

Lisa und ich möchten uns einen tollen Tag in den französischen Alpen machen, daher werden wir vom Refugee Bonatti zum Grand Col Ferret wandern (1000HM). Dort werden wir Meex das erste mal auf der Strecke treffen (KM30)

Danach fahren wir über den MontBlanc Tunnel zurück und warten auf Meex bei den Verpflegungsstationen Trient (KM72) und Vallorcine (KM83).

Beim Start in Courmayeur ist ein Gewusel: über 1000 Läufer nehmen die 100km Strecke in Angriff.

Nach einem Capuccino (Wir sind ja schließlich in Italien!) und ein Stopp in der Bäckerei um Focaccia zu holen geht es für Lisa und mich Richtung Col Ferret. Wir starten unseren Anstieg zum Refugio Bonatti. Auwei, meine Beine waren auch schon mal lockerer. Vom Refugio aus geht ein wunderschöner Trail immer auf gleicher Höhe ins Tal hinein. Wunderschön!!! Postkartenmotive alle 5m.

Kurz vor dem Anstieg zum Col de Ferret düsen die 3 Führenden an uns vorbei. Moritz auf der Heide hat hier noch ein Lächeln als 3 im Gesicht. Leider kann er das Rennen aber nicht beenden.

Wir starten nach den Top 5 mit dem Anstieg. Auch die Spitzenläufer laufen hier nicht, sondern gehen diese 1000HM hinauf. Dieser Anblick bringt mich zum schmunzeln. Uns überholt gerade der nächste Läufer. Lisa hat heute einen schnellen Bergschritt und bleibt quasi dran. Der Läufer denkt sich sicher: Hä?? In welchem Rennen bin ich? Die Wanderer überholen mich jetzt schon. Ich denke: Meine Wadeln brennen! Ich komme Lisa nicht mehr hinterher! Bitte langsamer!!! Bevor Lisa den Läufer überholt, hat sie erbarmen mit mir und schaltet einen Gang zurück. Puhh…war ich froh…

Am Col de Ferret warten schon die Fans und Betreuer. Wir machen es uns in der Sonne gemütlich und packen unsere Foccacia aus. Und dann sehe ich auch schon Meex daherkommen! Er liegt so um Platz 90. Top!!

Meex macht einen guten Eindruck. Er hat keine Beschwerden und ist gut drauf! Nach 1min ist er schon im Downhill nach La Fouly.

Lisa und ich haben keinen Stress und schauen dem treiben noch eine Weile zu. Es kommen immer mehr Läufer am Gipfel an.

Wir fahren inzwischen über den MontBlanc Tunnel zurück nach Chamonix und weiter nach Trient. Trient ist eine offizielle Verpflegungsstation. Auch für die Verpfleger :-). Die Musik spielt, es gibt Bier, Wein, Fondue im Festzelt. Meex kommt zur Verpflegung. Ich bin nervöser als Meex. Er trinkt etwas, isst ein bisschen, füllt die Wasserflaschen auf und ist wieder raus. Meex ist gut drauf, er ist relaxed und möchte gleich wieder raus auf den Trail. Super!

Weiter gehts nach Vallorcine. Hier müssen wir etwas länger auf Meex warten. Wir holen uns was zum trinken und machen es uns auf der Wiese beim Downhill gemütlich. Die Sonne geht gerade unter und in der Dämmerung schalten die ersten Läufer ihre Stirnlampen ein. Trailrunning Romantik…

Gleiches Spiel wie vorher, Meex ist gut drauf, und wieder raus in die Nacht. Noch 20km für Meex. Auf zum letzten Berg!

Inzwischen hat Michel Lanne (FRA) den CCC gewonnen und jeder Läufer wird in Zielnähe ö gefeiert. Obwohl wir seit 5 Uhr früh auf den Beinen sind, bin ich noch voll Adrenalin und bin voll nervös. Ich sehe die Zwischenzeiten von Meex. Er ist bereits in den Top 50. Um Mitternacht gehe ich hinunter in den Zielbereich. Meex müsste jetzt jeden Moment kommen. Endlich taucht sein Neongrünes T-shirt auf! Ich laufe die letzten 500m mit Meex bis kurz vors Ziel! Geschafft!

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Chamonix 2016: Mein Rennen

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2016 waren Meex, Lisa und ich beim UTMB in Chamonix. Naja, gelaufen bin ich den OCC (56km) und Meex den CCC (110km). Aber die ganze Woche war ein Erlebnis.

Die ganze Stadt war im Trailrunning Fieber. Jeder Shop hatte Vorträge, Weinverkostung mit Francois d’Haene, Seb Chegnau ist ebenfalls dort; an der nächsten Ecke steht The North Face und Fernanda Maciel und macht ein “Mountain Athletics” Workout. Compressport lädt ein zum Warm-up Run mit anschließendem Organic Tea. Tony Krupizka radelt (natürlich!) in der Früh an mir vorbei während ich ein Baguette hole. SURREAL!!!

Da fällt es schwer sich auf das Rennen zu konzentrieren.

Am Tag vor meinem Rennen laufen Meex und ich noch die letzten Kilometer ab. Bjak kommt ebenfalls von seinem Morgen Joggerl zurück, bevor er wieder im Hochkönigman/ATRA Stand steht. Später, als wir die Startnummern holen, schauen wir auf der EXPO bei ihnen vorbei. Auch beim Stand vom Großglockner Ultra quatschen wir mit Hubert Resch.

Am Nachmittag finde ich echt noch ein paar Stunden wo ich mich ein bisschen zurücklehnen und relaxen kann.

Nach einer gemütlichen kleinen Pasta Party mit Monika und Stefan geht es dann früh ins Bett. Die TDS Läufer kommen alle paar Minuten ins Ziel. Unser Apartment (airBnB, sowas von genial) ist 100m neben der Ziellinie. Ich bekomme doch noch etwas Schlaf ab…

Raceday.

Lisa, Meex und ich fahren nach Orsiere zum Start. Ich trinke noch ein paarmal von meinem GU. Ooops, das hab ich ja auf Verdacht gekauft und vorher nie ausprobiert….Wie kann mir so ein Anfängerfehler nur passieren? Es bleibt dann so ein komisches Gefühl im Magen, und ich wechsle zu Wasser.

Auf geht’s! Nach km1 geht mein Schuhband auf und ich muss stehenbleiben um es wieder zu binden. Na Super! Anscheinend hat mir Meex noch am Start gesagt das mein Schuhband offen ist, aber ich war so im Tunnel, dass ich nichts mehr mitbekommen habe. Beim Start zu meinem wichtigsten Rennen mache ich also so alle Anfängerfehler die es nur gibt.

Ok, nach den hektischen ersten Kilometern komme ich in einen Rhytmus. Es geht Richtung Champex-Lac. Es geht ein Stück dem See entlang und man kann gut Tempo machen. Uli Steck und ich treffen uns im Rennen gefühlte 1000mal. Einmal ist er vorne, dann wieder ich.

 

Es wird warm. Der August 2016 ist sehr warm. Auch am Renntag brennt die Sonne auf die Läufer. Mir macht die Sonne nicht viel, ich brauche nur immer genug zu trinken. Meine 2 Softflasks sind gerade leer. Es geht den Berg hoch. Es ist der zweite lange Anstieg von Trient nach Vallorcine. Ich drehe den Wasserschlauch am Wegrand auf. Der wird vom Bauer sein für die Kühe. Ich bin gerade beim trinken und denke mir: “ist das auch wirklich trinkwasser?”. Der Anstieg geht noch ein paar Kilometer und daher hat mein Gehirn Zeit genug sich die Horrorscenarios auszumalen: GU Elektrolyte, die ich noch nie getestet habe, Wasser mit verunreinigtem Wasser: Mein Magen kann das gar nicht vertragen! Es war eine self-fulfilling prophecy. Beim anschließenden Downhill war ich am Ende. Mein Bauch rumpelte als wäre er mit Wackelsteinen gefüllt. Ich musste extrem Tempo rausnehmen und ich wusste nicht ob ich nach Vallorcine weiterlaufen könnte.

Und das passiert mir auf einem der genialsten Downhills die ich je gelaufen bin!!! Es geht unendlich lang runter, Technische Passagen wechseln mit Schotterstraßen. Und ich muss Leute vorbeilassen!!!!!

Bei der Verpflegungsstation Vallorcine warten Lisa, Meex, Monika und Stefan. Sie geben mir Motivation für die nächsten Kilometer. Ich lasse mir Zeit, trinke, esse was gscheites (Gels, Bananen und Orangen). Quatsche mit Uli Steck.

Ok, raus mit mir auf die letzten Kilometer! Der Magen hat sich beruhigt, ich reiss mich zusammen, trinke nur mehr gscheites Wasser.

Der Rhytmus ist wieder zurück und ich laufe mit der besten Frau zum letzten Anstieg. Ich freu mich dass der Anstieg nicht so lang geht wie ich dachte. Beim Downhill dreh ich voll auf und geb Gas! Auf einmal liegt ein Läufer auf der Strecke. Krämpfe! Sonst alles ok. Weiter gehts. Nach einer Minute liegt wieder ein Läufer in den Moosbeerbüschen. Er will nur noch schlafen. Alarm! Dehydrierung!! Ich rede auf ihn ein er soll was trinken; etwas später kommt die erste dame und sie fragt ebenfalls was los ist. Nach ein paar metern ist schon die Bergrettung im Anmarsch und ich bin froh dass sich ein Profi um den Läufer kümmert.

Es war also doch nicht der letzte Anstieg! Nochmal geht es rauf auf fast 2000m, aber ich fühle mich jetzt extrem gut. Ich kann auf eine Gruppe Läufer aufschließen und so geht es hinauf zur letzten Verpflegung La Flegere. Oben bin ich tot, aber jetzt geht es nur noch bergab nach Chamonix.

Nach 56km, 3500HM und  6h50min komme ich ins Ziel in Chamonix. Ich laufe durchs Spalier der Zuschauer. 22er Platz. Super!

Ich sitze noch eine gefühlte Ewigkeit bei der Zielverpflegung und schau dass ich wieder Wasser aufnehme.

Fazit: Auch der OCC (56km), die “Kinderstrecke” der UTMB Woche ist hart, aber wunderschön. Gut laufbar, vieeeele Höhenmeter und super Downhills. Und viel Zeit um viel zu erleben.

Vielen Dank an Lisa, Meex, Monika und Stefan die mich verpflegt haben und mich wieder aufgebaut haben als ich extrem am Sand war!!!! Danke!